19.02.2008 – SharePoint-Konferenz in Frankfurt – Tag 1

Kennen Sie das? Ihre Schlange an der Supermarkt-Kasse ist immer die langsamste, der Kaffee in der Thermoskanne ist immer genau dann alle, wenn Sie Ihre Tasse auffüllen wollen … und die Tracks, die Sie an der SharePoint-Konferenz belegen, sind immer die Flops.

Tja, dann wissen Sie genau, wie es mir an meinem ersten Tag an der SharePoint-Konferenz hier in Frankfurt ergangen ist. Oder besser gesagt: beinahe ergangen wäre – wenn da nicht heute Nachmittag der Track von Siemens über den Einsatz von SharePoint in verschiedenen Fachabteilungen gewesen wäre. Aus meiner Sicht das bisherige Highlight der SharePoint-Konferenz.

Neben drei interessanten Einblicken in Anwendungslösungen im Bereich Vertragsmanagement, Ausbildungsplattform und Warenrücknahme-Prozess haben mich vor allem die drei Lessons Learned überzeugt, die Siemens nach vier Jahren SharePoint-Einsatz gezogen hat:

  1. Wie halten wir den Überblick über die schnell wachsende und nicht direkt kontrollierbare Zahl der SharePoint-Sites?
    Antwort: ein Site-Wizard regelt das automatische Provisoning von SharePoint-Sites. Der Provisoning-Prozess verlangt detaillierte Metadaten zu jeder neu bereitgestellten Site. Aus diesen Metadaten wird anschliessend ein übergreifenden Site Directory erstellt, das nach diesen Metadaten durchsucht/gruppiert/abgefragt werden kann.
  2. Wie erhalte ich mir die Flexibilität im Einsatz der SharePoint-Funktionalitäten, ohne auf Konzern-Guidelines und eine strategische Roadmap verzichten zu müssen?
    Antwort: Trennung des Supports in zwei Funktionen: (1) Vor-Ort-Betreuungscenter, die nahe bei den Anwendern sind und zusammen vor Ort mit den Anwendern die Benutzeranforderungen in SharePoint umsetzen. (2) Center of Competence, das die Klammer über alle Vor-Ort-Betreuungscenter bildet und aus den unterschiedlichen Anforderungen und Erfahrungen der Betreuungscenter Standards und Konzern-Guidelines ableitet.
  3. Wie bringen wir Customizing, Erweiterungen/Anspassungen und Performance unter einen Hut?
    Anwort: es gibt zwei SharePoint-Farms. (1) Die Standard-Farm, auf der nur Standard-Anwendungen bzw. genehmigte Siemens-Extensions (Zusatzprogrammierungen) laufen und im Rahmen des Standard-Customizings benutzerspezifisch adaptiert werden können. (2) Applikations-Server auf denen stärker adaptierte SharePoint-Anwendungen laufen.

Was sind meine persönlichen Lessons Learned nach diesem ersten Tag (ausser: fahre nie mit zu hohen Erwartungen an einen Kongress/Konferenz)?

“Gute” SharePoint-Lösungen sind per Definition nicht out-of-the-box-Lösungen, sondern auf das Anwendungsproblem und die Benutzerprozesse zugeschnittene Lösungen. Die Herausforderung ist: wie können diese individuell spezifizierten Lösungen “realeasfähig” umgesetzt werden? Oder mit anderen Worten: es passt sich die Software den Anwendern/Anwendungsproblem (besser: der Zielgruppe, vgl. Kommentar von RK) an und nicht umgekehrt. – Okay, das ist vielleicht ein bisschen zu krass als Aussage. Sagen wir: tendenziell passt sich die Software den Anwendern (besser: der Zielgruppe, vgl. Kommentar von RK) an.

Gruss aus Frankfurt und stay tuned – morgen gibts mehr News vom zweiten Tag der SharePoint-Konferenz!

  • RK meinte am 21.2.2008 um 19:46:

    “es passt sich die Software den Anwendern/Anwendungsproblem an und nicht umgekehrt”

    Ist dem wirklich so? Passt sich die Software dem Anwender an? Meiner Meinung nach nein, denn dann wäre die Frage: Welchem User? Dem Poweruser? Dem Einsteiger? Dem ITler? Allen gleich? Wir das Rad immer wieder neu erfunden?

    Ich glaube das dieses (auch krass gesagt ;-) ) überbleibsel aus alten Softwarezeiten sind. Der User lernt sehr schnell mit Interfaces umzugehen, solange sie logisch, konstant und “sexy” sind. (ja letzteres wurde immer unterschätzt)
    ABER, und hier bin ich wieder voll bei dir: die Software passt sich dem Problem bzw. gefordertem Scenario an. Es hilft nicht, Funktionen oder Webparts anzubieten die dem benötigtem Arbeitsprozess nicht sachdienlich sind.

    Vieleicht kann man ja sagen die Software wird der Zielgruppe angepasst.

  • Judith Schütz meinte am 25.2.2008 um 10:20:

    Lieber RK

    “Zielgruppe” finde ich einen guten Begriff. Werde das so in meinem Originaltext anpassen.

    Um allfällige Zweifel auszuräumen: Mein Beitrag war genau so gemeint, wie Du das so schön formuliert hast: “Es hilft nicht, Funktionen oder Webparts anzubieten die dem benötigtem Arbeitsprozess nicht sachdienlich sind.” Auf individuelle Vorlieben oder Eigenschaften von Benutzern einzugehen (damit meine ich nicht den barrierefreien Zugang!), führt meiner Erfahrung nach letztlich immer in eine Sackgasse – ja ist sogar kontraproduktiv, weil es die notwendige Anpassung und Weiterentwicklung (auf individueller Ebene ebenso wie auf unternehmerischer Ebene) behindert.

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