Google erweiterte diese Woche die “Apps for Your Domain” um ein kostenpflichtiges Angebot. Für jährlich 38 Euro pro Account können Firmen zusätzlichen Speicherplatz nutzen und die Kommunikationsdienste über eine Schnittstelle in ihre Unternehmensstruktur integrieren.
In einschlägigen Foren und Blogs wird diese Ankündigung mit viel Skepsis und technischen Bedenken, von der IT-Community, hinterfragt. Ebenso wird dabei über die beschränkten Möglichkeiten der einzelnen Onlineprogramme gelacht. Die schwindende Innovationskraft von Google wird genüsslich angeprangert, da alle Google Apps keine Eigenentwicklung sind, sondern in Microsoft Manier, in die Firma einverleibt wurden. Somit sehen die meisten keine Chance für die Google Apps in den Betrieben. Diese Sichtweise ist aus subjektiver Sicht, und kurzfristig, nicht falsch. Die Ableitung dieser Konklusion auf die Zukunft von Google kann aber nicht funktionieren, da sie auf falschen Analogien beruht. Bei der Ankündigung von Google müssen wir einige Dinge in Betracht ziehen:
Die IT-Leute (wie wir bei scolab.ch) welche jetzt lachen, müssten eigentlich weinen. Die Google Apps sind mehr ein Angriff auf sie, als auf Microsoft. Es geht dabei um die ökonomische Ineffizienz, dass jede einzelne Firma ein paar Server kaufen, unterhalten, und updaten muss. Nicht zu vergessen, sie brauchen mehr und mehr teure IT-Leute welche für die Firma E-Mail und Kalender bereitstellen.
Wer Google Apps mit MS Office vergleicht, hat das ganze Bild nicht verstanden. Es ist als würde man sagen: „ein iPod kann keine Lieder schreiben“. Ob jetzt die Google Apps „Text & Tabellen“ integriert sind, ist auch noch nicht die ganze Geschichte. Die Bemerkung, man könnte ja stattdessen OpenOffice einsetzen, das wäre dann ganz gratis, ist ein Blick in die falsche Richtung. Den es geht nicht um den Preis der Applikation, sondern es geht um Kollaboration zwischen den Firmenteilnehmer der Google Apps. Es geht um Produktivitätsgewinn durch Kollaboration zu einem niedrigen Preis.
Die Integration von „Text & Tabellen“ ist eigentlich noch nicht der Rede wert. Wir können uns ja vorstellen, das in naher Zukunft der Google Reader, ein Präsentationstool (PowerPoint), Picasa Web Photo, Wikis, Blogs und weitere folgen werden. Einige sind ja schon da, jedoch noch nicht integriert. Alle diese Tools fördern die Produktivität wenn sie zusammenarbeiten können. Wenn die Benutzer gelernt haben, mit diesen Werkzeugen umzugehen, wird die Steigerung der Produktivität erheblich sein. Wiederum ohne zusätzliche Investition in die eigene oder die externe IT-Infrastruktur.
Wenn wir über “Technik” nachstudieren, dürfen wir nicht bloss darüber nachdenken wo wir jetzt stehen, sondern wo es hingeht. Was ist das Potential. Was Google anbietet ist gut, aber nur deshalb, weil es noch viel besser wird. Die Menschen werden produktiver zu einem niedrigeren Preis.
Wir IT-Leute müssen uns darauf gefasst machen, dass Firmen auf diese Plattform aufspringen werden. Die Kosten, welche gespart werden, sind wir…
PS: Bedenken gegenüber dem geballten Infopool “Google” sind natürlich berechtigt und werden in diesem Eintrag nicht betrachtet. Zwei bemerkenswerte Flashfilme zu diesem Thema findet man hier:


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