Der heutige zweite Tag der SharePoint-Konferenz geht in die letzte Track-Runde und es zeigt sich allmählich, was die Renner dieser Konferenz sind: die How-To-Tracks und die Toy-Tracks.
How-To-Tracks sind Referate, die Wissen vermitteln: zum Beispiel wie die Search-Engine anzupassen ist, wie mit dem SharePoint Designer und der DataView zu arbeiten ist oder wo welche Ressourcen für Entwickler zu finden sind.
Toy-Tracks sind Referate, die Ausblick geben auf neue Technologien und Produkte, wie z.B. Silverlight und Popfly.
Allerdings habe ich entschieden, mich für einmal antizyklisch zu verhalten, also gerade nicht in die gut besuchten Tracks zu gehen. Diese Strategie birgt natürlich Risiken. Statt auf Nummer Sicher zu gehen, muss ich mich von dem überraschen lassen, was kommt. Den einen oder anderen Flop habe ich daher auch heute wieder erlebt. Aber ich bin dafür mehr als entschädigt worden durch die vereinzelten Perlen, die ich so entdeckt habe.
Solche Perlen waren zum Beispiel am Dienstag das Referat von BlueBridge über den Einsatz von Wikis in Unternehmen (dazu werde ich später einen separaten Blogbeitrag schreiben) oder am Mittwoch die Vorstellung des Referenzprojekts von Collexis bei den Asklepios-Kliniken, das ein ausgefeiltes Document Management System mit Social Computing verknüpft. Wer nicht bei diesem Track dabei war, kann sich auf www.biomedexperts.com selbst einen Eindruck davon verschaffen, was in diesem Referenzprojekt am entstehen ist.
Was hat mich an diesen Tracks fasziniert? Es war die Botschaft, die diese Referate zwischen den Zeilen transportierten: das Wissen um das How-To ist eine Grundvoraussetzung für ein gutes SharePoint-Projekt. Wir müssen die Technologie beherrschen und ausreizen können, um ein gutes Projekt machen zu können. Aber erst durch Verstehen wird aus einem guten SharePoint-Projekt ein besseres SharePoint-Projekt.
Was meine ich mit Verstehen? Verstehen heisst zu begreifen, was das Business-Umfeld und die Nutzer-Anforderungen der SharePoint-Lösung sind. Erst wenn ich das verstanden habe (ausgedrückt in zu erreichenden Business-Zielen, zu erledigenden Linien-Aufgaben, abzuwickelnden Geschäftsprozessen, involvierten Sachbearbeitern und Experten, benötigtem Fachwissen und Entscheide, zu erstellenden Dokumenten etc.) kann ich im Prinzip mein SharePoint-How-To-Wissen optimal zum Einsatz bringen.
Es ist o.k., wenn an der SharePoint-Konferenz die How-To-Tracks der Renner sind. Aber für jeden Tag, den wir hier in Frankfurt verbringen, sollten wir eigentlich zurück im Büro einen Tag zum Nachdenken investieren und uns fragen: wie können die kennengelernten Technologien im eigenen Team/Abteilung/Unternehmen nutzbringend eingesetzt werden?
P.S. an meinen Chef: ich mach am Freitag einen Tag frei zum Nachdenken!