Eine Zusammenfassung des Artikels “Kollektive Intelligenz nützen” von Prof. Dr. Peter Kruse, Management School St. Gallen
Sinn und Zweck:
Um die explodierende Wissensflut zu Bändigen, ist kollektive Intelligenz gefragt. Unter kollektiver Intelligenz versteht man ein Netzwerk von frei denkenden Individuen ohne hierarchische Begrenzung.
Durch zunehmende Vernetzungsdichte in Wirtschaft und Gesellschaft explodiert die Menge an Daten und Vielfalt an Informationen ins Unermessliche. Die Intelligenz einzelner reicht für diese Flut von Daten nicht mehr aus. Darum wird es immer wichtiger werden, Formen kollektiver Intelligenz zu nützen.
“Ashby’s Gesetz” beschreibt, dass der erfolgreiche Umgang mit komplexer Dynamik an ein Lösungssystem gebunden ist, welches mindestens die gleiche Variabilität besitzt wie die Problemstellungen. Im Klartext: Mehrere Köpfe können mehr Information verarbeiten. Im Verbund entsteht eine kollektive Intelligenz, die sich so jedem Problem stellen kann.
Mehr Intelligenz durch Austausch:
In den letzten zehn Jahren durchliefen Unternehmen mehrere Stufen der Organisationsoptimierung. Zuerst versuchte man, die Effizienz einzelner Gruppen oder Funktionseinheiten zu steigern, dann teilte man die Organisation in Gruppengesellschaften auf, um sie dann schlussendlich wieder unter ein Dach zu bringen.
Die nächste Stufe wird nicht mehr eine “Massenreformierungsstrategie” sein. Prozesse sind heutzutage so weit optimiert, dass jegliche Verbesserung der Geschäftprozesse mehr oder weniger Zeitverschwendung ist.
Sprichwörtlich sieht man das Kerngeschäft vor lauter Prozesse nicht mehr.
Die nächste Stufe ist das Einbringen von Netzwerken kollektiver Intelligenz welche über die Grenzen eines Teams, einer Abteilung oder einer Organisation greifen.
Die Führung eines Unternehmens soll nicht die Aufgabe haben, Informationsflüsse zu steuern, sondern sie soll die kulturellen Voraussetzungen dafür schaffen, dass KI-Netzwerke entstehen können.
Im Netzwerk tritt der Einzelne hinter den Erfolg des Systems zurück.
Identität, Informationstransparenz und unbegrenzte Involvierung begünstigen besonders die dynamische Bildung von KI-Netzwerken. Da die Austauschprozesse eines Netzwerkes kaum Steuerbar und Kontrollierbar sind, ist man auf eine gemeinsame Ausrichtung der Beteiligten angewiesen.
Eine Idee, eine Philosophie, ein Ziel, ein Kollektiv.
Misstrauen entsteht dann, wenn einzelne Teilnehmer oder Gruppen verdeckt eigene Interessen verfolgen. Jedoch sind kreative Störungen das Salz in der Suppe der Netzwerkintelligenz und Dynamik eines KI-Netzwerkes.
Veränderung der Perspektiven:
Um einen Prozessmusterwechsel innerhalb einer Organisation durchführen zu können, müssen bestehende Prozessmuster durchbrochen werden und neu begonnen werden. Allzu häufig wird vergeblich versucht, Veränderungen durch eine Restrukturierung herbeizuführen. Dies führt jedoch meistens zu Frustration und Effizienzeinbussen innerhalb einer Organisation. Kaum wird das neue Prozess und Organisationsmuster gelebt, muss es wieder für eine Restrukturierung aufgebrochen werden. Schluss damit!
Wechsel und Veränderung von persönlichen Perspektiven soll hier im Vordergrund stehen. In diesem Sinne kann ein Umzug in ein neues Gebäude oder die Veränderung des persönlichen Umfeldes durchaus positivere Auswirkungen haben, als der Versuch, bestehende Machtgefüge aufzubrechen. Wenn Menschen durch den Angriff auf ihre Position irritiert oder gestört werden, antworten sie häufig mit Stabilisierung und dem Festhalten am Bestehendem. Sie schliessen sich ein und hissen ihre persönliche Fahne auf ihrem Grund und Boden.
Die Förderung der Veränderungsbereitschaft heisst in diesem Sinne nicht Abteilungen zu eliminieren, sondern die Wände zwischen ihnen einzureissen und die Möglichkeit Fördern, sich untereinander auszutauschen.
Die Geburt der individuellen Innovation:
Ineffizienzen zu vermeiden, ist zwar eine notwendige aber keineswegs hinreichende Bedingung für das Überleben eines Unternehmens oder einer Organisation. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, originelle und neue Lösungen zu erfinden und zu verwirklichen. Dies gilt für jede einzelne Einheit innerhalb einer Organisation.
Je mehr Menschen im Unternehmen oder in der Organisation ein ausgeprägtes Empfinden für die Entwicklungen des Marktes haben, desto einfacher ist es, Akzeptanz für notwendige Änderungen zu finden. Wer Chancen erkennt, erzeugt konkrete Motivation Risiken einzugehen.
Die verwendete Energie zur Reorganisation der Unternehmen sollte für die Suche nach neuen Innovationen umgeleitet werden.
Die Herausforderung der Zukunft:
Die Herausforderung ist das Einsetzen von neuen Formen der kollektiven Intelligenz, die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen. Es braucht die Kreativität und das Verantwortungsgefühl vieler Individuen und KI-Netzwerken.
Wir brauchen Transparenz, Sinnstiftung, Innovation, Involvierung und eine gemeinsame Idee.
Persönliches Fazit:
Herr Prof. Dr. Kruse trifft den Nagel eigentlich auf den Kopf. Eine Übersättigung von Prozessen und Organisationsreformationen ist mir schon lange ein Dorn im Auge. Kaum wurde eine Organisation neu reformiert, beginnt man die Fehler zu erkennen, die man mit der neuen Form anstrebt und versucht diese so wieder auszumerzen. Mit dieser Philosophie wird man sich für immer weiter im Kreis drehen, ohne überhaupt das eigentliche Ziel zu erreichen, nämlich die Produktivitätssteigerung der Firma plus die Motivation und Freude eines jeden Mitarbeiters, dies innerhalb einer Firma zu bewerkstelligen.
Anbetracht dessen schwirrt mir ein neues Schlagwort im Kopf herum. Ich denke dabei an Collaboration Intelligence. Collaboration geschieht nur im Kollektiven und ist somit der Überbegriff von KI-Netzwerken. Nur wer intelligent Daten verarbeitet und weitergibt, kann im Endeffekt ein positives Resultat erzielen, persönlich wie auch organisatorisch die Effizienz und Produktivität zu steigern.
Intelligenz ist nicht nur das besitzen von Wissen, Intelligenz ist übergeordnet die Macht oder Fähigkeit und Bereitschaft dazu, Wissen richtig zu empfangen, zu verarbeiten und weiterzugeben.
Ist dies einmal gewährleistet steht einer intelligenten Zusammenarbeit zwischen Menschen, Teams und Organisationen nicht mehr viel im Weg.


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