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SharePoCalypse – Das Sommerloch

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Die SharepoCalypse nach dem Sommerloch – nach einer kurzen Sendepause wird Nachrichtenlage von fünf Wochen aufgearbeitet. Die wichtigsten Themen sind dabei die neue Microsoft-Strategie, Facebooks Völkerkunde Versuch, Googles scannen von E-Mails nach verdächtigen Bildern, Microsoft muss E-Mail von europäischen Server den US-Behörden ausliefern und der Beweis das Deutschland doch einen Bananenrepublik ist..

 

 ‚Show notes‘ und Links

Microsoft verfeinerte Strategie und Geschäftszahlen 2013: Einen drastischen Schwenk der Firmenstrategie verkündete Mitte Juli der neue Microsoft-Chef Satya Nadella. Die Beschreibung des Unternehmens als „Devices and Services“-Company, das Mantra seines Vorgängers Steve Ballmer, müsse „verfeinert“ werden. Und zwar zu „productivity and platform company for the mobile-first and cloud-first world“.

Was diese nebulösen Andeutungen in Manager-Sprech bedeuten, erfuhr die Belegschaft wenig später. Innerhalb eines Jahres sollen 18 000 Mitarbeiter den Konzern verlassen, rund jeder siebte. Zwei Drittel davon arbeiten bei Nokia, das entspricht jedem zweiten der finnischen Handy-Bauer, die erst vor einigen Monaten per Übernahme dazugekommen waren. Die Politik in Finnland reagiert gereizt. Der finnische Finanzminister Antti Rinne erklärt sogar „Nokia wurde getäuscht“. Ausgemacht war die Umsetzung der Fusion leicht anders: „“Aber als der Handel unterzeichnet wurde, hatte Microsoft auch sein Engagement für Finnland angekündigt. Nun scheint es, als ob dieser Teil nicht erfüllt wurde.“

Es gab auch technische Aussichten. Satya Nadella bestätigte in einer Pressetelefonkonferenz, dass man unter dem Schlagwort „Windows OneCore“ den zugrunde liegende Betriebssystemkern der unterschiedlichen Systeme vereinheitliche will. Zusammen mit Universal Apps und den „Unified Stores“ wird man so dem Benutzer eine transparente Bedienung anbieten können.

Allianz zwischen Apple und IBM: Wie man an den veröffentlichen Jahreszahlen 2013 von Microsoft gesehen hat sind sie der unbestrittene Business-Software-Leader. Wirkliche Umsatz- und Gewinngefahr drohen Microsoft erst dann, wenn IBM und Apple es gebacken bekommen, durch die angekündigte Kooperation, eine wirkliche Synergie ihrer Produkte und Expertisen herzustellen. DDenn dann wird letztlich der KMU- und Großkundenmarkt angegriffen und es wird eine echte Konkurrenz zu MSFT entstehen.

Das Facebook-Experiment: Bei Google wird man sich die Augen reiben. Mit der zielgerichteten Manipulation von knapp 700.000 Nutzern hat Facebook demonstriert, was das Unternehmen und sein Netzwerk so einzigartig macht. Obwohl Facebook zwar nicht kund tat warum sie dieses Experiment durchführten ist offensichtlich. Es geht darum Werbekunde auch emotionell im richtigen Moment zu treffen oder so zu modifizieren das sie empfänglicher für eine Werbebotschaft sind.
Die umstrittene Völkerkunde bei Facebook wird sich wohl bei allen BigData-Firmen in Silicon Valley durchsetzen. Immerhin wurde im Blog von OkCupid einen mutigen Artikel publiziert, in dem der Betreiber der Datingplattform darstellt warum sie mit User Daten experemntieren und wer immer auch das Internet benutzt wohl in Zukunft mit solchen „Emotional“-Experimente leben müssen.
Im Sommerloch wurde zumindest die amerikanische Federal Trade Commission (FTC) von einem Senator angerufen um die Sache mal zu untersuchen.

Microsoft vor Gericht wegen Daten in Irland: Microsoft klagt sich weiter durch die US-Justiz-Instanzen und verliert. Während dem Sommerloch wurde eine weitere Verhandlung verloren. Sprich, ein weiteres Gericht gibt den USA-Behörden die Berechtigung Server in Irland durchsuchen. Mittlerweile unterstützen Apple, AT&T und Cisco die Klage von Microsoft. Aber es scheint so als gehen Microsoft so langsam die Gerichte aus.
Inzwischen bemerken und organisieren sich die amerikanischen IT-Hersteller um hier gegen die Regierung vorzugehen welche ihr Geschäftsmodell nachhaltig zerstört.

Google scannt Mail-Inhalte: Wer ein E-Mail verschickt, muss unter Umständen damit rechnen, dass es nicht nur der Empfänger liest. Je nach Provider kann es auf bestimmte Schlüsselworte oder auf kinderpornografischen Inhalt untersucht werden. Automatisch. Im Somerloch wurde dieses Verhalten bekannt, als ein Pädophiler Texaner durch eine G-Mail-E-Mail überführt wurde. In den allgemeinen Nutzungsbedingungen des Google Mail-Dienstes wird explizit festgehalten, dass Google den Inhalt von E-Mails zu Werbezwecken und aus «Sicherheitsgründen» durchleuchtet. Laut US-Recht müssen Unternehmen Kinderpornografie umgehend melden, sobald derartige Inhalte festgestellt werden. Allerdings gibt es keine Verpflichtung, aktiv danach zu suchen, wie „Business Insider“ schreibt.
Res Strehle von Tagesanzeiger schreibt es in seinem lesenswerten Artikel „Applaus mit Zweifeln“: „Wir sollten uns von diesen guten Nachrichten aber nicht blenden lassen. Das flächendeckende ­Scannen von Mails durch Konzerne wie Google bleibt stossend“.

Mein Metadaten-Leben: Geheimdienste sammeln Metadaten über die Kommunikation aller Bürger. Die Politiker wollen uns glauben machen, dass diese Daten nicht allzu viel aussagen. Ein Niederländer hat das überprüft und das Gegenteil demonstriert: Metadaten verraten viel mehr über dein Leben, als du denkst.

Der Schweizer Politiker Balthasar Glättli hat ein ähnliches Experiment durchgeführt. Seine Selbstversuchdaten sind auf OpenDataCity verfügbar.

Berliner Anwalt gegen den Bundesnachrichten Dienst: Dem Berliner Anwalt Niko Härting ging die massenhafte Überwachung der elektronischen Kommunikation durch den BND zu weit. Der Jurist hatte den Auslandsgeheimdienst wegen seines Staubsaugerverfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht verklagt.
Diese Klage wurde nun gemäss Niko Härtings Blog mit der folgenden Begründung abgelehnt.
„Das BVerwG hielt die Klage (Az.: BVerwG 6 A 1.13) für unzulässig, weil Härting nicht mit ausreichender Wahrscheinlichkeit nachweisen könne, von der Ausspäherei des BND persönlich betroffen gewesen zu sein. Ohne diese persönliche Betroffenheit könne ein Verwaltungsgericht aus formalen Gründen die BND-Praxis nicht überprüfen.“
„Die Klage als unzulässig abzuweisen, war aber noch aus anderen Gründen erstaunlich. Denn die Richter ließen in der Verhandlung verlautbaren, ein Grundrechtseingriff liege nicht erst auf Ebene der 37 Mio. Treffer vor, sondern bereits eine Stufe zuvor, auf Ebene der „Ausleitung“ der Daten an den BND. Die Frage, wie viele E-Mails im Jahr 2010 betroffen waren, ließ der BND trotz Drängens des Gerichts unbeantwortet. „

Autor: Christoph Müller

Christoph Müller ist Consultant, Blogger und Podcaster rund ums Thema SharePoint, Digital Transformation, Cloud, Mobile und Netzpolitik.

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